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Propheten im Islam und in der jüdisch-christlichen Tradition

Muslime erwähnen in Gesprächen mit Nichtmuslimen hin und wieder, dass sie an alle Propheten glauben, an die auch die Juden und Christen glauben. Das führt manchmal zu Verwirrung, denn so ganz einfach ist das mit den Propheten im Islam und in der jüdisch-christlichen Tradition nicht. Aus diesem Grund habe ich vor einiger Zeit mal recherchiert, welche der uns als Propheten bekannten Personen auch in den beiden anderen großen Buchreligionen als solche betrachtet werden.

Propheten im Judentum

Der Talmud lehrt, dass es hunderttausende Propheten gab: zweimal mehr, als die Anzahl der Menschen, die Ägypten verließen. Doch die meisten sollen Botschaften überbracht haben, die allein für ihre eigene Generation bestimmt waren und über die in den Schriften berichtet wird. Dort werden nur 55 Propheten namentlich genannt, die ich in dieser Liste mit den Propheten nach der jüdischen Tradition zusammengefasst habe

Propheten im Christentum

Die Liste biblischer Propheten umfasst hingegen Personen, die in der Bibel als von Gott berufene und beauftragte Propheten oder Seher, Gottesmänner usw. bezeichnet werden, und Personen, die im Judentum nach dem Talmud als Nebi’im (Propheten) gelten, auch wenn sie in der Bibel nicht ausdrücklich so genannt werden.

Propheten im Islam

Ich habe zu den Propheten, die gemäß islamischer Lehre namentlich bekannt sind, schon einmal eine Übersicht mit kurzen Zusammenfassungen zu jedem Propheten gemacht. Wer sich dafür interessiert, kann sie sich hier anschauen: https://discoverthemuslimworld.de/prophetengeschichten/.

Nun wollen wir uns einmal ansehen, welche dieser Propheten in der jüdischen und christlichen Tradition nicht als Propheten eingestuft werden. Und zwar sind das Adam, Nûh, Hûd, Lût, Shu’aib, Ismâ’îl, Yûsuf, Ayyûb, ‘Uzair und, das liegt in der Natur der Sache, Muhammad  – Möge Allah mit ihnen allen zufrieden sein.

Sowohl in jüdischen als auch christlichen Traditionen werden die folgenden, in der muslimischen Tradition bekannten Personen als Propheten betrachtet: Idrîs, Sâlih, Ibrahîm, Ishâq, Ya’qûb, Yûnus, Mûsâ, Hârûn, Yushâ’, Ilyâs, Dhu al-Kifl, al-Yasa’, Shamwîl, Dâwûd, Sulaimân, Shi’yâ und Irmiyâ – Möge Allah mit ihnen allen zufrieden sein.

Nur in der christlichen Tradition werden die folgenden, in der muslimischen Tradition bekannten Personen als Propheten betrachtet: Zakariyâ, Yahyâ und ‘Îsâ – Möge Allah mit ihnen zufrieden sein.

Falls euch einige der obigen Namen nicht bekannt vorkommen, mag das daran liegen, dass die Gelehrten sich bei einigen von ihnen nicht einig sind, ob es sich um Propheten oder gottgefällige, rechtschaffene Menschen handelt.

Nichtsdestotrotz spielen Personen wie Nûh oder Yûsuf natürlich eine wichtige Rolle in der jüdischen und christlichen Tradition, als Propheten werden sie aber nicht eingestuft.

So steht auf Wikipedia zum Beispiel geschrieben:

Ein Nichtjude, der sich an die Noachidischen Gebote (die aus dem Wirken Noahs abgeleiteten Gebote) hält, kann nach jüdischem Verständnis Anteil an der kommenden Welt wie ein Jude erlangen. Aus diesem Grund besteht aus jüdischer Sicht kein Bedarf an Mission, andere Religionen verdienen Respekt, solange sie umgekehrt auch die jüdische Identität achten.

Und welche sind diese Gebote?

  • Verbot von Mord
  • Verbot von Diebstahl
  • Verbot von Götzenanbetung
  • Verbot von Ehebruch
  • Verbot der Brutalität gegen Tiere
  • Verbot von Gotteslästerung
  • Einführung von Gerichten als Ausdruck der Wahrung des Rechtsprinzips

Interessant, oder? Die jüdische Lehre und Geschichte ist definitiv ein Thema, mit dem ich mich mehr beschäftigen möchte!