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Wie lerne ich die ersten Suren aus dem Koran?

Du möchtest die ersten Suren aus dem Koran auswendig lernen, kannst aber noch gar kein oder nur sehr wenig Arabisch und weißt nicht, wie du anfangen sollst? Du hast dir schon einige Koranrezitationen angehört, kommst aber beim Mitlesen überhaupt nicht klar? Du möchtest gern Arabisch lernen, weißt aber nicht, wo du anfangen sollst?

Dann habe ich hier ein paar Tipps für dich!

Den Koran Wort für Wort vorlesen lassen

Auf der Website www.houseofquran.com kannst du dir die ersten Verse aus dem Koran ganz einfach und Wort für Wort vorlesen lassen.

Stell links unter “Reciter” einfach “El-Gamal Word by Word Recitation” ein, such dir am besten noch die Übersetzung in deiner Sprache unter “Translation” aus und wähle, wenn du willst, eine dir geläufige Schriftart unter “Display Options > Font” aus. Durch Klicken auf die Plus-/Minus-Tasten links bzw. rechts über der Übersetzung bzw. dem arabischen Text kannst du die Größe des Texts noch verändern. Eine sehr hilfreiche Seite, wenn man schon ein bisschen Arabisch lesen kann, aber bei der Aussprache noch unsicher ist.

Langsame und deutliche Koranrezitationen anhören

Zum Anhören und Mitlesen im Koran empfehle ich dir besonders diese Seite: http://quran.ksu.edu.sa. Klick dort einfach auf den großen grünen Button und du gelangst auf die Seite, auf der du noch einige Einstellungen machen kannst.

Ich stelle mir dort zuerst über den Button mit der Weltkugel “Deutsch” als Sprache in, dann wähle ich unter Anzeigemodus “Hafs Tajweed” und wähle dann den gewünschten Rezitator aus.

Welche Rezitatoren sind besonders für Anfänger geeignet?

Ich empfehle dir besonders die Rezitatoren al-Husari im Lehrermodus, al-Hudhaify und Ayman Sowaid (auch: Swaid oder Swayd). Alle drei findest du auf genau der eben vorgestellten Website unter “Rezitatoren”. Und alle drei rezitieren mit einer klaren und deutlichen Aussprache und sind deshalb gerade für Anfänger besonders gut zum Nachsprechen und Mitlesen geeignet.

Andere bekannte Rezitatoren wie Mishari al-Afasy oder Maher al-Moaqli (auch: Muaiqly) kann man sich natürlich auch als Anfänger gut anhören – aber vielleicht eher, wenn man sich mit dem Inhalt des Koran auseinandersetzt und die Schönheit der Worte genießen möchte. Für meinen Geschmack rezitieren beide nämlich viel zu schnell zum entspannten Mitlesen.

Den Koran in Umschrift lesen

Grundsätzlich empfehle ich dir, den Koran auf Arabisch zu lesen. Dazu muss man natürlich erst einmal die arabische Schrift lernen. Wer aber zum Beispiel die kurzen Suren lernen will, um diese im Gebet rezitieren zu können, hat nicht unbedingt sofort die Zeit und Kraft, mit dem Lernen einer neuen Sprache zu beginnen. In diesem Fall bietet es sich an, den Koran in einer Umschrift zu lesen – zumindest für den Übergang.

Es gibt verschiedene Versionen von Umschriften, die ich – leider – fast alle für wenig geeignet halte. Manche orientieren sich am Englischen, was für deutschsprachige Muslime schon mal irritierend ist und leicht zu Fehlern in der Aussprache führt. Andere verwenden so seltsame Buchstabenkombinationen, dass ich mich ehrlich gesagt frage, wie damit irgendjemand den Koran korrekt lesen kann.

Ich empfehle dir deshalb den Koran in der Umschrift der DMG (Deutsche Morgenländische Gesellschaft), hier in der Fassung von Hans Zirker.

In der deutschsprachigen wissenschaftlichen Literatur wird auf die Umschrift der DMG zurückgegriffen. Auch viele muslimische Autoren verwenden mittlerweile diese Umschrift, weshalb ich dir empfehlen möchte, auch den Koran in dieser Umschrift zu lesen. Es gibt klare Regeln, die man sich gut einprägen kann. Eine detaillierte Übersicht gibt es zum Beispiel auf Wiktionary. Wer sich einmal mit dieser Umschrift vertraut gemacht hat, wird auch später, wenn er die ersten Arabischkenntnisse hat, mit ihr weiter arbeiten wollen. So kann man zuverlässig arabische Wörter mit dem deutschen Alphabet wiedergeben. Die Mühe lohnt sich defintiv!

Den gesamten Koran in dieser Umschrift findest du hier: https://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-40447/Koran_transliter.pdf. Ab Seite 298 wird die Umschrift dort auch noch einmal erläutert.

Falls du dir doch einmal eine andere Umschrift ansehen willst, kannst du das hier tun. Aber Achtung, das Dokument ist sehr groß und hat eine sehr lange Ladezeit.

Die arabische Schrift lernen

Über kurz oder lang empfehle ich dir dennoch, die arabische Schrift und Sprache zu lernen. Das befähigt dich, einen direkten Zugang zum Koran zu finden und dich eigenständig und unabhängig mit dem arabischen Original des Koran auseinanderzusetzen. Wer eine Übersetzung liest, hat es immer auch mit einer Interpretation des Übersetzers bzw. der Übersetzerin zu tun. Vielleicht werden viele von uns die arabische Sprache niemals perfekt sprechen. Wer aber die häufigsten Vokabeln und die wichtigsten grammatikalischen Strukturen im Koran kennt, ist definitiv in der Lage, sich kritisch mit Übersetzungen – und deren möglichen Fehlern oder Ungenauigkeiten – auseinandersetzen, und hat auf jeden Fall mehr Freude daran, den Koran rezitieren und vielleicht sogar auswendig zu lernen!

Zwei Bücher, die ich dir da empfehlen kann, sind die folgenden:

1. Al-Mulk: Einführung in das Koranarabisch anhand der Sure 67 “Die Herrschaft” (von Robert Breitinger)

Zum Angebot auf Amazon

2. Iqra: Ein Koran Lese-Lern-Konzept (von Robert Breitinger)

Zum Angebot auf Amazon

 

Wenn du noch Fragen hast oder interessante Links und Büchertipps empfehlen kannst, dann würde ich mich sehr freuen, wenn du es mich per Kommentar oder Nachricht über das Kontaktformular wissen lässt. Ich wünsche dir viel Erfolg beim Koranlesen und Arabischlernen und würde mich freuen, wenn du bald wieder hier auf meinem Blog vorbeischaust!