Juz 30 Boot Camp – Zwischenstand

Vor fast 2 Wochen habe ich euch von meinem Juz Amma Bootcamp erzählt. Aber so richtig wie im Bootcamp fühle ich mich ehrlich gesagt nicht.

Naja, wobei … heute habe ich meinen persönlichen Tiefpunkt erreicht und bin echt niedergeschlagen. Und das gehört doch auch zu so einem Extrem-Training, wie man es aus dem Fernsehen kennt, oder? Heute plagten mich nämlich solche Grundsatzfragen wie: Reicht es nicht eigentlich aus, das Juz Amma zu beherrschen? Warum mache ich mir überhaupt den Druck, das Juz Amma bis zu einem bestimmten Termin zu lernen? Und warum muss ich denn danach unbedingt noch weiterlernen? Vielleicht sollte ich den Kurs einfach abbrechen?

Ja, genau solche Fragen schossen mir heute durch den Kopf. Und wie es dazu kam? Das will ich euch gern kurz erzählen.

Also ich hatte mir wie gesagt vor knapp zwei Wochen einen Plan aufgestellt, der besagt, dass ich jeden Tag ein bis drei Suren wiederhole und die beiden fehlenden (Abasa und an-Nazi’at) noch auswendig lerne. Das hat ehrlich gesagt gut geklappt und bis gestern war ich auch ganz zufrieden mit mir. Am 3. April findet ein Abschlusstest statt, wo das gesamte Juz Amma abgefragt wird. Und bis heute war ich eigentlich guter Dinge, dass ich das inshallah auch schaffen würde.

Aber als ich heute die Sure 88 (al-Ghashiya) wiederholte, kam ich an die Stelle …

وَإِلَى الْجِبَالِ كَيْفَ نُصِبَتْ

… und das verwirrte mich. Denn das erinnerte mich ganz stark an die 77. Sure (al-Mursalat). Da heißt es:

وَإِذَا الْجِبَالُ نُسِفَتْ

Und das ist für mich als Nichtmuttersprachlerin wirklich nicht einfach. Die Worte nusibat und nusifat klingen für meine Ohren ziemlich ähnlich (wenn sie de facto auch gar nicht so viel Gemeinsamkeiten haben). Aber dann kommen beide ja auch noch im Zusammenhang mit dem Wort jibal vor … puh! Da ist Verwechslung vorprogrammiert. Und das ist ja nur ein kleines Beispiel, das mich heute fast zum Verzweifeln brachte.

Mir fällt es eigentlich relativ einfach, eine neue Sure auswendig zu lernen. Wenn aber ein Vers auftaucht, der einem anderen ähnelt, den ich vorher schon gelernt habe, dann überschreibe ich mit dem neuen Hifdh sozusagen das zuvor Gelernte. Und das führt echt zu Schwierigkeiten! Es erfordert ganz schön viel Anstrengung, dagegen anzukommen und sich nicht immer nur den Vers zu merken, den man als letztes gelernt oder wiederholt hat.

Dann kam mir so in den Sinn, dass ich ja gerade mal das Juz Amma lerne. Was kommt denn da in Zukunft noch auf mich zu?! Um so mehr Verse ich lerne, um so mehr ähnliche Verse werden mir ja begegnen. Und wie soll ich die bitte alle auseinander halten? Ein bisschen entmutigend, zunächst einmal wenigstens.

Dann wollte ich mal schnell überprüfen, wie es mit den Suren aussieht, die ich in den letzten zwei Wochen wiederholt hatte. Das sind bis jetzt die Suren 89 bis 114. Aber leider war dieser kurze Test gar nicht zufriedenstellend. Irgendwie war in meinem Kopf alles komplett durcheinander gewirbelt, und ich hatte das Gefühl, alles, was ich in den letzten zwei Wochen wiederholt hatte, war verschwunden. So ganz ist es natürlich Gottseidank nicht.

Aber diese beiden Erlebnisse heute Abend haben mich fast entmutigt. Ich wollte das gern einmal hier festhalten, da ich erstens ein Zwischenfazit angekündigt hatte, und zweitens auch dokumentieren wollte, dass es (für mich) bei weitem nicht immer einfach ist, den Koran auswendig zu lernen, und dass dabei ganz sicher nicht immer alles rund läuft.

Mittlerweile, während ich das hier schreibe, bin ich aus dem Tief schon langsam wieder heraus. Aber mir ist klar geworden, dass der Aufwand, den ich bis jetzt investiert habe, nicht ausreicht, wenn ich erreichen möchte, dass bis zum 3. April alle Suren sitzen. Ich denke gerade noch darüber noch, wie ich meine Lernroutine in Zukunft anpassen werde. Darüber und warum es sich doch lohnt, weiter zu lernen, schreibe ich ein anderes Mal! 🙂

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4 Gedanken zu „Juz 30 Boot Camp – Zwischenstand“

  1. As salamu alaikum meine Perle. Du hast viel Ehrgeiz alhamdulillah und du kannst es schaffen in shaa Allah. Wenn man si viel lernt, kommt automatisch so ein Tag, wo das Gehirn eine Pause braucht, wo du dich nicht sorgen musst, dass du gleich alles vergisst 🙂 Da gibt es sogar einen medizinischen Begriff dafür (fällt mir gerade nicht ein), die Verknüpfungen brauchen sozusagen eine Ruhephase, um sich zu stabilisieren/festigen.

    Mir geht das ähnlich, nur mit den Unterschied, dass ich nicht den “Termindruck” habe und nur maximal 7 bis 10 Verse (je nach Länge) in einer Woche versuche zu schaffen – mehr funktioniert bei mir zeitlich einfach nicht. Wenn ich merke, es geht nicht weiter, setze ich einen Tag aus und am nächsten Tag versuche ich es erneut. Wenn es da auch nicht so klappt, dann halt wieder Pause. Wichtig ist nur, nicht aufzugeben und sich davon entmutigen zu lassen. Feste Lernzeit (auch wenn es dann nur bei einem Versuch bleibt) muss sein, damit man die Routine festigt und man nicht in Trägheit versetzt wird.

    Du machst das schon ganz toll und ich wünsche dir sehr, dass du dein Ziel erreichst. Nimm dir nur diesen Druck bitte aus dem Kopf, denn selbst wenn du es nicht schaffen solltest (der Kurs wird deswegen nicht minder wichtig und nutzvoll gewesen sein), so hast du dennoch immer einen Gewinn, denn du lernt kontinuierlich ein Stück mehr und mehr. Da sollte keine Zeitgrenze dir bedrohlich werden.

    Die Liebe zu den Worten Allahs sollte nicht durch solch einen Druck überdeckt werden. Also, bleib ganz locker, denke nicht zu sehr über diesen Tag der Prüfung nach, sondern lerne so, als ob du keine Zeitgrenze hast. Was du bis dahin mit Herz und Liebe geschafft hast ist mehr wert, als eine bestandene Prüfung.

  2. Assalamu alaikum wa rahmatullah liebe Schwester,
    (wie heißt du eigentlich?)

    ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast, mir einen so langen, lieben Kommentar zu hinterlassen. Du hast natürlich recht und ich bin auch schon wieder positiver gestimmt, alhamdulillah.

    Zum Thema Prüfung kann ich dir auch nur beipflichten. Ich habe zwar schon den Anspruch, alles bis zu diesem Datum zu schaffen, aber ich will auch nicht aus den Augen verlieren, dass mein eigentliches Ziel ist, den Koran zu lernen (und zu verstehen) und nicht, mir den Koran bis zu einem bestimmten Datum in den Kopf zu hämmern. Na, die Balance macht’s! 🙂

    Du, wenn du mal in Berlin bist, musst du unbedingt Bescheid sagen! Ich würde dich gerne mal kennenlernen … <3

    Wassalamu alaikum wa rahmatullah wa barakatuh,
    Salsabil

    1. Ich heiße Susann. In Berlin habe ich 7 Jahre gewohnt 🙂 In shaa Allah werde ich irgendwann mal wieder dorthin einen Reise machen können und dann würde ich mich sehr auf ein Treffen freuen.Du motivierst mich sehr mashAllah.

  3. Ich habe gerade bemerkt, dass man beim Anklicken auf meinen Namen gar nicht mehr auf meine Seite weitergeleitet wird, da könntest du theoretisch meine Kontaktdaten finden und ein wenig lesen, was ich so blogge. Bin aber nur selten aktiv.

    Hab es mal versucht zu ändern, vielleicht klappt es jetzt, wenn nicht, dann schau mal hier (aber versuch erst über den Namen 😉 )

    https://ichbinmuslim.wordpress.com

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