Diskussion über Geschlechterrollen mit einem Vierjährigen

Ich stand vorhin zusammen mit meinem Sohn (4) in der Küche. Das tun wir übrigens häufiger und es macht ihm immer viel Spaß. Da wir noch Tee übrig hatten und er eine andere Sorte trinken wollte, sagte ich: “Dann wäschst du deine Tasse aber selber ab!” (Ich hoffte, uns so das Teekochen zu ersparen.)

Aber es geschah etwas anderes.

Er sagte: “Nein, ich bin doch gar keine Frau! Nur Frauen waschen ab!”

Ich dachte, ich höre nicht richtig – und wollte umgehend ergründen, woher er solche Sprüche hat. Also nahm ich ihn mit in das Wohnzimmer und wir setzten uns auf das Sofa. Ein ernstes Gespräch sollte folgen, das war jedenfalls mein Plan.Ich fragte ihn, wer so etwas erzählt bzw. wo er das gehört hätte. Er meinte: nirgends. Ich fragte mehrmals nach und er versicherte mir, dass das sein eigener Gedanke wäre. Normalerweise bekomme ich in solchen Gesprächen heraus, wenn irgendjemand anderes ihm seltsame Gedanken in den Kopf gesetzt hat. Das war diesmal nicht der Fall.

Was er aber sagte, war: “Das ist im Fernsehen doch auch immer so! Immer waschen die Frauen ab!”

Nun war ich ein zweites Mal völlig perplex und mittlerweile sauer. Ich sagte ihm, dass das ja so sein mag, aber nicht gerecht wäre. Jeder, der gesund ist, kann fǘr sich selber sorgen. Er wurde so bockig wie ich aufgebracht war und rannte in sein Zimmer.

Ich drohte lautstark und leicht verzweifelt, dass wir nie wieder den Fernseher anmachen würden, wenn dort nur so ein Käse gezeigt wird. Ich glaube, man konnte man mich auch sagen hören: “Wenn du weiterhin sowas erzählst, wirst du so lange rosa Kleider anziehen, bis du eingesehen hast, dass das völliger Quatsch ist!” Gut, das hätte ich mir sparen können – da es eine blöde Aussage (die Kinder aufschnappen, nicht produzieren) nur mit Blödheit bekämpft hätte. Die Strümpfe von Dora The Explorer mag er im Übrigen nicht mehr anziehen, seit ihm jemand sagte, das wären “Mädchenstrümpfe”. Anschauen tut er es hingegen noch immer sehr gern, aber mit den Strümpfen habe ich keine Chance.

Wie auch immer, wir beruhigten uns wieder.

Und einige Minuten später kam er zu mir – mit kleinen Tränchen in den Augen – und sagte: “Dann mache ich jetzt immer ALLES!”

Daraufhin besprachen wir, dass Muttis und Vatis ihren Kindern natürlich bei all den Dingen helfen, die sie noch nicht können. Ein erwachsener Mensch muss seine Tasse oder seinen Teller aber selbst abspülen (können) oder sich selbst Essen aus dem Kühlschrank nehmen können. Das hat rein gar nichts damit zu tun, ob es ein Junge oder ein Mädchen, eine Frau oder ein Mann ist. Ich glaube, das hat er nun verstanden. Und ich werde in Zukunft sehr aufmerksam sein, was solche Äußerungen von ihm oder Darstellungen darüber im Fernsehen betrifft. Denn das ist es, was mich am meisten schockierte: die Begründung, dass das im Fernsehen doch auch immer so wäre.

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