Das Kopftuch

(Bild: Aftab Uzzaman, CC BY-NC 2.0)

Wenn man einhundert muslimische Mädchen oder Frauen fragen würde, warum die eine von ihnen das Kopftuch trägt und die andere nicht, so würde man wohl einhundert verschiedene Antworten erhalten.

Die Motivation eines jeden Menschen etwas zu tun oder nicht zu tun, ist doch eine komplexe Sache. Welche Erfahrungen hat man gemacht, welche Persönlichkeit hat man, in welchen Angelegenheiten war man erfolgreich, wann ist man gescheitert? In welchem Umfeld lebt man, in welchem Land oder in welchen Ländern ist man aufgewachsen? Wo hat man seine Erfahrungen gesammelt? Wo und mit wem geriet man in Konflikte und wie löste man sie? Wer sind die Freunde, welche Menschen stehen einem nahe? Welche Interessen hat man, womit verbringt man überhaupt seine Zeit?

All diese Dinge und noch viele mehr formen uns doch zu den einzigartigen Menschen, die wir sind. Unsere Lebenswege sind verschieden, unsere Erfahrungen unterscheiden sich, wir haben unterschiedliche Gefühle, Erinnerungen und Hoffnungen. Und Ziele. Und Beweggründe.

Wie oft wurde ich schon gefragt, warum muslimische Frauen das Kopftuch tragen. Ich habe noch nicht die richtige Antwort gefunden.

Aber ich kann versuchen, zu antworten, warum ich es trage. Das Kopftuch.

Den Islam habe ich vor ganz schön langer Zeit angenommen. Vor mehr als 8 Jahren. Das ist zuerst einmal eine Angelegenheit tief in mir drin gewesen. Wenn man früher gar keinem Glauben angehörte, so wie ich, dann gibt es da auf einmal so viel zu entdecken, zu lernen, zu ergründen – ja, es ist eine neue Welt, die man betritt. Und ausgestattet mit diesem neuen Wissen, den neuen Einsichten – da geht man plötzlich mit einer ganz besonderen Energie durch das Leben.

Man möchte auf einmal so viel, in manchem auch zu viel – entdecken, lernen, ergründen eben. Und man möchte diese Energie umsetzen. Man trifft Entscheidungen, die das eigene Leben betreffen, man möchte etwas an seinem Leben ändern.

Aber man trifft auch Entscheidungen, die das der Menschen um einen herum beeinflussen. Mal trifft man auf Verständnis und kann sich auf vertraute Beziehungen verlassen; mal nicht.

Und diesen energetischen Umbruch, den wollte ich ausdrücken.

Ich wollte sagen: Hey, bei mir hat sich was verändert! Es ist nicht nur so, dass ich nicht mehr auf die gleichen Partys wie früher mitkomme und keinen Alkohol mehr trinken möchte. Oder dass ich nicht mehr alles esse, was ich früher gegessen habe. Nein, es ist viel mehr. Meine Sicht auf das Leben hat sich verändert, mein Leben hat sich verändert. So richtig! Einmal durchgeschüttelt – und jetzt ist irgendwie alles neu. Ich muss meinen Platz in diesem neuen Leben noch finden, denn es fängt gerade erst an. Ich möchte mich mit so vielem auseinandersetzen, mir meine eigenen Überzeugungen bilden – aber ich freue mich so sehr darauf. Und ich möchte es zeigen!

Ich wollte das zeigen. Diesen Neubeginn, diese Energie. Familie, Freunde … und eigentlich die ganze Welt sollten es sehen und wissen. Ich wollte meine Entwicklung, meinen Wandel … diesen Umbruch … ausdrücken. Und da begann ich das Kopftuch zu tragen.

Das kostete mich Überwindung, ja, aber ich fühlte mich gut. Von Anfang an. Und bis jetzt. Es gehört zu mir, es hat mich von Anfang an auf diesem Weg in eine neue Welt, die jetzt meine ist, begleitet. Das Tuch hat mir nur wenige Hürden bereitet, die Entscheidung für den Islam und für so manche Änderung meines damaligen Lebens vielleicht schon mehr.

Ich danke Gott, dass er das deutsche Mädchen im Teenager-Alter erhört hat, das in einer Nacht vor vielen Jahren um GLAUBEN gebetet hat.

Heute geht sie ihren eigenen Weg und ist glücklich dabei. Sie trägt das Kopftuch als Ausdruck dessen, was sich tief in ihr verändert hat. Noch immer ist sie auf der Suche nach mehr … Wissen, Einsicht, Demut im Glauben. Und sie ist glücklich dabei.

Dies ist mein Beitrag zum #worldhijabday, den Nazma Khan ins Leben gerufen hat. Mehr dazu: hier.

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3 Gedanken zu „Das Kopftuch“

  1. möge ALLAH dich mit dem Paradies El Ferdaus belohnen, Ich bete zu ALLAH das noch viel unglückliche Deutsche Mädchen irgendwann die Hände hoch nehmen und Allah um Recht Leitung beten.

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